Pressespiegel 2018

Iserlohner Kreisanzeiger, 10.07.2018

Zum Abschluss ging es Sonntagabend an der Bauernkirche noch einmal richtig los.
"Doctor Krapula" haben am Sonntag nochmal richtig abgeräumt. Die Kolumbianber haben in Iserlohn ihre Tournee gestartet.

Starkes Finale beim Friedensfest

Das Resümee des 28. Festivals auf dem Platz der Kulturen fällt positiv aus

Ralf Tiemann

Iserlohn. „Doctor Krapula“ – in ihrer kolumbianischen Heimat füllt die Band Stadien, und auch am Sonntag hat sie zum Abschluss des Friedensfestivals total abgeräumt. Die Musik ist wie gemacht für eine Party in diesem Stile. Rockig, melodiös mit Ska- und Reggae-Einflüssen, dazu ein wilder Frontmann, der alles gibt – es verwundert nicht, dass zum Abschluss des Festivals auch das Publikum noch einmal alles gegeben hat. Was im Übrigen auch für das Organisations-Team gilt. Ein letztes Aufbäumen, ein letzter Energieschub bei der mitreißenden Musik der Kolumbianer nach drei ziemlich anstrengenden Festivaltagen.

Rund 1200 Leute zu Spitzenzeiten auf dem Platz

Drei Tage, die vor allem auch von einem starken Besucherandrang geprägt waren. Das Festival – bekanntlich umsonst, draußen und nicht eingezäunt – lässt genaue Angaben über den Besuch nicht zu. An einem Tag wie dem vergangenen Samstag ist aber davon auszugehen, dass weit über 2000 Besucher im Tagesdurchlauf auf dem Platz der Kulturen waren. Zu Spitzenzeiten, so die Organisatoren, sollen rund 1200 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände gewesen sein.
Der gute Besuch lässt auch jetzt schon ein erste Prognose zu den Einnahmen zu. Detlev Paul vom Friedens-Plenum geht nach einem ersten Überschlag von rund 4000 Euro aus, die nun an soziale Projekte gespendet werden können. Das sei ein gutes Ergebnis, das unter Umständen aber noch korrigiert werden müsse. Vielleicht ja auch nach oben: Die Rekordeinnahmen liegen bisher bei rund 6500 Euro.
Möglich wird ein solcher Gewinn nur, weil die Bands sämtlich auf eine Gage verzichten, das Plenum also nur für die Anreise und Unterbringungen aufkommen muss, und weil erneut mehr als 100 freiwillige Helfer den reibungslosen Ablauf garantiert haben.

Der komplette Müll passt in acht schwarze Tonnen

Erfreulich sind auch die weiteren Zahlen zum Festival. Zwei mal nur mussten die Sanitäter aktiv werden – in beiden Fällen handelte es sich aber um gesundheitliche Probleme, die zu jeder Zeit hätten auftreten können. Nur einmal musste die Polizei eingreifen. Auch da handelte es sich um eine Auseinandersetzung eher abseits des Geländes unter den üblichen „Platz-Bewohnern“, die ebenfalls nur wenig mit dem Festivalgeschehen zu tun hatte.
Auch das Müllaufkommen konnten die Organisatoren weiter senken. Rund 2000 Liter sind in diesem Jahr nach drei Tagen mit tausenden Besuchern nur noch angefallen, die nun bequem in acht schwarze Tonnen passen.


Iserlohner Kreisnazeiger, 09.07.2018

So eine Mischung gibt es nicht noch mal

Kunterbuntes Publikum, starke Musik und viel Drumherum – ein Tag auf dem Friedensfest

Ein Blick von der Freitreppe auf das Festgelände. Am Samstag war am frühen Abend der ganze Platz schon gut gefüllt.
Nachmittags sind auf dem Friedensfestival auch Kinder bestens aufgehoben – auch wenn es schon mal lauter werden kann. Maximiliane Hieke sorgte mit ihrer Band „Bisquit“ für einen lockeren und gut aufgelegten Start in den Festival-Samstag.
Ralf Tiemann

Iserlohn. Es ist brütend heiß. Die Sonne knallt richtig runter auf die Wiese an der Bauernkirche. Die vielen Besucher, die schon am Nachmittag kommen, um über das Festival zu schlendern, suchen Schutz im Schatten der großen Eiche gleich neben der Kirche. Es gibt kühle Softdrinks, auch schon die ersten Bierchen. Für die Leute ist das prima, nette Gespräche auf den Bierbänken bei toller Live-Musik. Für die Bands weniger, denn zwischen Schatten und Bühne erstreckt sich ein etwa 30 Meter breiter Streifen in der prallen Sonne, der kaum bevölkert ist. Besonders viel Applaus bekommen die ersten Bands des Tages auf die Entfernung nicht ab. Dabei hätten sie ihn verdient: „Bisquit“ aus Iserlohn und Umgebung bieten sehr gefälligen Pop mit schönen Melodien, danach gibt es treibenden Rock von „Royal Wolves“ aus Menden. Auch die sind große Klasse.
Die Atmosphäre ist schon zu diesem frühen Zeitpunkt fantastisch – nicht nur im Bereich der Bühne am unteren Ende des Platzes zur Inselstraße hin. Am anderen Ende am Stadtmuseum haben die Kinder ihr Reich mit Hüpfburg, Schmink- und Bastelständen. Dazwischen erstrecken sich Zelte und Buden mit einem kunterbunten Angebot, das es so nur hier gibt. Politische Gruppen und Parteien halten ihre Fahnen hoch, die Jugendkunstschule ist vor Ort, es gibt alternative Mode aller Art, vegane Küche, afrikanische Kunst, indianische Traumfänger, bunten Modeschmuck, Lederhüte, Duftsteine, Massagen und und und. An einem Trödelstand bekommt man sogar ein Original-Wahlplakat von Heinz Weifenbach für den Hemeraner Stadtrat, das jeden älteren und ortskundigen Besucher auflachen lässt. Besonderer Andrang herrscht bei einem gut sortierten Schallplattenhändler. Und sogar an einem Stand mit vergilbten politischen Schriften tummeln sich interessierte Jugendliche.

Kaum Müll und überhaupt keine Scherben

Ebenso kunterbunt ist das Publikum, das im Laufe des Abends auch immer bunter wird. Auf der Bühne spielen inzwischen „Honnycutt“ aus Hagen ziemlich knüppeligen Punkrock, erfreuen aber immerhin mit einer lustigen Version von Shakin Stevens’ „You drive me crazy“. Der Platz füllt sich immer mehr mit einer Mischung aus Menschen, die es ebenfalls so nur hier gibt. Alle Generationen, alle Schichten, viele bunte Vögel und noch viel mehr ganz normale Leute, die das Friedensfestival genießen. Ein paar schräge Typen, die ein ungutes Gefühl verbreiten, sind natürlich auch dabei. Einer fällt besonders auf: nietenbesetzte Maske, Stachelhalsband und ekliges Netzhemd – ziemlich gruselig und echt unappetitlich. Aber auch der wird nicht ausgegrenzt, auch er wird einfach gelassen, wie er ist, so wie hier jeder einfach sein kann, wie er sein will.
Heiß ist es aber immer noch, obwohl die Sonne nun viel tiefer steht und langsam über der Kluse verschwindet. Am kühlenden Bachlauf halten gruftig herausgeputzte Jugendliche ihre Füße ins Wasser. Überhaupt muss man sich um die vielen Barfußläufer auf dem Platz keine Sorgen machen. Es ist verblüffend sauber, es gibt überhaupt keine Spuren vom Freitagabend, keine Scherben auf der Wiese und auch kein Siff auf der Treppe. Das Anti-Müllkonzept der Organisatoren geht voll auf. Getränke gibt es ausschließlich in Pfandflaschen, sogar die Teller für die afrikanischen Spezialitäten sind aus Keramik und werden gespült – kaum Müll und null Glasbruch.

Mehr als 100 Helfer – aber immer noch zu wenig

Zusätzlich läuft noch ein Helfer herum und sammelt unermüdlich Kippen auf. Einer von über hundert ehrenamtlichen Freiwilligen, ohne die es das Fest nicht gäbe. Und doch sind es immer zu wenige. Jörg Jung vom Friedensplenum startet vor der vierten Band nochmal einen Appell. Es seien noch Lücken in der Helferliste. Wer spontan einspringen will, solle sich melden. Auch der Kassenstand sei derzeit trotz des guten Besuchs noch recht dürftig. „Wenn ihr eure eigenen Getränke mitbringt, kann das Fest nicht funktionieren“, sagt Jörg Jung. Der Getränkeverkauf ist schließlich die einzige Einnahmequelle. Grundsätzlich findet es aber auch Jörg Jung super, dass so viele gekommen sind und das Fest gut finden. Die Band „DIAS“ aus dem fernen Stralsund lässt es danach ordentlich krachen und glüht schon mal für den Höhepunkt des Abends vor. Der komplette Platz ist nun gut gefüllt, überall wird getratscht und gelacht, getrunken und feiert. Die Party geht langsam richtig los und erreicht wenig später, als es langsam dunkel wird, beim Top-Act ihren Höhepunkt. „April Art“ aus Gießen haben die Ehre, den Friedensfest-Samstag zu beenden und machen das richtig gut. Die Band ist super abgemischt und geht richtig nach vorne ohne einen voll zu dröhnen. Und dass die rockröhrige Frontfrau mit knallroter Mähne nimmt den ganzen Platz mit, bringt die Leute vorne zum Hüpfen und Tanzen und reißt auch die Leute auf der Treppe mit. Und man freut sich schon da, dass es auch noch einen Festival-Sonntag gibt, und hofft, dass es entgegen den jedes Jahr geäußerten Befürchtungen des Friedensplenums auch nächstes Jahr wieder ein Friedensfestival gibt.

Eine Fotostrecke zum Friedensfestival finden Sie unter www.ikz-online.de.


Aus „Anti-Bewegung“ wurde akzeptiertes Festival

Kerstin Rinke hat die Geschichte des Friedensfestes nahe miterlebt – mit allen Veränderungen

Natürlich sind es die Menschen, die die besondere Atmosphäre beim Friedensfestival ausmachen. Da ist sich auch Katrin Rinke sicher. Wobei sie bei einem Blick über den „Platz der Kulturen“ einräumt, dass viele Gesichter, die das Fest in den Anfängen geprägt haben, heute gar nicht mehr da sind. „Dafür wachsen aber andere nach“, sagt die 56-Jährige, die die Geschichte des Festivals von Anfang an als treue Besucherin begleitet hat. Beim ersten Mal, 1991, war die Aufregung riesengroß, sagt sie: Es gibt was Neues in der Stadt – Friedensfest. Freitags sollte es losgehen. Am Donnerstag erfuhr sie vom Frauenarzt, dass sie schwanger war. „Ich habe dann da gesessen – mit Fanta und ohne Tabak“, erinnert sie sich lachend.
Es sei aber trotzdem prima gewesen. Jedenfalls so gut, dass sie danach kein Jahr mehr verpasst hat. So auch direkt das zweite, bei dem sie mit ihrer Tochter antrat. Anfänglich sei alles noch eine Spur punkiger gewesen, die Leute noch viel härter als heute. Direkt vor der Kirche campierten die Punks, es gab mehr Drogen und mehr laute Musik. „Davon musste man sich mit einem Kind früh distanzieren“.

Heute kommen Omas mit ihren Enkeln

Mit dem Kinderwagen sei sie damals sofort zum organisierenden Friedens-Plenum marschiert, um sich für mehr Familienfreundlichkeit einzusetzen. Mit großem Erfolg, wie man heute beim Festival sehen kann. Doch auch schon bei der dritten Auflage hätten die Organisatoren die Anregungen umgesetzt.
Das Festival sei früher auf jeden fall auch vom Publikum her jünger und politischer gewesen. Heute kommen Omas mit ihren Enkeln, was wunderbar sei. Und es gebe auch den Kampf mit dem IBSV nicht mehr. Das sei anfänglich ja ein richtiger Krieg gewesen. Heute sei es normal, dass sich das Publikum mischt, viele Leute beide Feste besuchen und auch Grünröcke an der Bauernkirche auftauchen – früher undenkbar. Tatsächlich gehörte das Ständchen der Dudelsackspieler vom Schützenfest Freitagnacht zu den schönsten Momenten des diesjährigen Friedensfestes. Aus der pubertären Anti-Bewegung, sagt Kerstin Rinke, sei inzwischen ein in der ganzen Stadt sehr akzeptiertes Festival geworden.
Mit dazu beigetragen, da ist sie sich sicher, habe auch, dass sich die Veranstalter, gerade wenn es Konflikte gab, bis heute immer sehr korrekt verhalten hätten, alles immer friedlich und ausgleichend gelöst hätten und auch für alle offen gewesen seien. Natürlich auch schon immer für Flüchtlinge. „Über die Jahre hat man dem Festival immer sehr genau angesehen, wo auf dieser Welt gerade Not ist“, sagt sie mit Blick auf das bunt gemischte Publikum.


Schon am frühen Abend füllte sich gestern der Platz der Kultur(en) zum Auftakt des Friedensfestivals.

Iserlohner Kreisanzeiger, 07.07.2018

Das Festival ist wieder zu Hause

Harte Musik und politische Themen – 28. Friedenfest ist gestern gestartet

Von Ralf Tiemann

Iserlohn. „Leichenwetter“, „Brandsatz“ – man braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie solche Bands klingen. Bevor es heute und morgen beim Friedensfestival deutlich familienfreundlicher und trommelfellverträglicher zugeht, gab es beim gestrigen „harten Freitag“, wie er heißt, erst einmal tüchtig was auf die Ohren. Das ist Tradition zum Auftakt des Festivals, so ist es schließlich vor 28 Jahren auch mal los gegangen: Harte Bratgitarren, aggressiver Gesang, all das gibt es noch – inklusive Pogo und ein paar Kisten Freibier aus Paderborn. Das Friedensfestival hat gestern Abend bei besten Bedingungen einen Auftakt nach Maß hingelegt und war schon bei der Opener-Band bestens besucht – später wurde es richtig voll.
Wer zwischendurch mal in die Stadt spazierte, konnte abseits der harten Klänge vom Gelände die Bands des IBSV hören – schottische Dudelsäcke und knallige Marching-Bands aus Holland. Was für ein Kontrast. So etwas gibt es vermutlich wirklich nur in Iserlohn.

Zum vierten Mal beim Festival dabei: „Leichenwetter“ aus Iserlohn durfte gestern zu besten Sendezeit ran und ließen ihre schaurigen Verse zu harten Gitarren hören.
Bei schönstem Sommerwetter machte sich gestern Abend auf dem „Platz der Kultur(en) direkt auch beste Festival-Stimmung breit. Dabei fühlten sich auch die jüngsten Besucher schon wohl.

"Dieser Standort ist unser Standort."
Detlev Paul, FriedensPlenum

Aber zurück auf den Fritz-Kühn-Platz. Oder Platz der Kultur(en)? Wie heißt er denn nun? „Als Platz der Kultur(en) hat die Stadt Millionen an Fördermittel für ihn bekommen“, donnert Jörg Jung vom Organisations-Team von der Bühne. Und deswegen solle er auch endlich offiziell so heißen. Dazu liegen Unterschriften an den Ständen des Festivals aus, um die Stadt zu einer Umbenennung zu bewegen.
Aber wie er zukünftig auch heißen mag, das „FriedensPlenum“ ist froh nach der langen Umgestaltung und einem Ausweich-Festival unterhalb des Parktheaters im vergangenen Jahr wieder an der Bauernkirche feiern zu können. „Dieser Standort ist unser Standort“ sagt Plenumsmitglied Detlev Paul klipp und klar – auch wenn der Platz nach der Umgestaltung durchaus seine Schwierigkeiten habe. Die Zufahrten für schwere Fahrzeuge am Kinderspielplatz seien ungünstig, die Ausrichtung der Bühne nach der neuen Platzaufteilung ebenfalls, da die Musik nun nicht mehr frontal auf die Bauernkirche, sondern in Richtung Stadtmuseum und damit auch in Richtung Altersheim schalle. Es sei schwierig, das auszutarieren.
Für Ärger sorgt auch die Stromversorgung. Anstatt wie früher aus einer, wird die Bühne nun aus drei Stromquellen versorgt, was auch die Kosten für den Stromanschluss verdreifacht. Ärgerlich, weil das Festival bekanntlich für alle Besucher umsonst ist, und der Erlös aus dem Getränkeverkauf komplett für Flüchtlinge gespendet wird. Dafür verzichten sogar die Bands auf ihren Gagen, selbst wenn sie wie der Topact „Triddana“ den weiten Weg aus Argentinien machen.

Rechtsruck, Flüchtlinge und Obere Mühle

Natürlich gehören auch politische Themen an Ständen und in Form von Reden zum Festival – mehr denn je, möchte man sagen. „Wir haben viel zu sagen“, kündigt Detlev Paul an, dass es gerade bei dem derzeitigen Rechtsruck in Deutschland und Europa gelte, dagegenzuhalten. Das Festival-Motto „We Still Have A Dream“ zeigt schon, dass die Sorgen grundsätzlicher Natur sind. Ein großes Thema ist dabei natürlich die Festung Europa, die zunehmende Abgrenzung in Richtung Mittelmeer und in diesem Zusammenhang auch die bedenklichen Waffenexporte. Aber auch lokale Themen stehen auf dem Programm. Dr. Martina Harbrink-Schlegel, Ärztin in der „Werkstatt im Hinterhof“, hat gestern bereits Stellung zur Oberen Mühle genommen und die Stadt für ihr Vorgehen erneut kritisiert.
Den Besuchern geht es aber auch um Flair, Musik, Kinderspaß und Essen aus verschiedenen Ländern, was sich heute und morgen bei voraussichtlich bestem Wetter alles noch steigern wird. Unter anderem beginnt die kolumbianische Band „Doctor Krápula“ ihre Europa-Tour in Iserlohn.


Iserlohner Kreisanzeiger, 06.07.2018

Mehrere Dutzend Iserlohner versammelten sich beim Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am Poth, setzten mit ihrem Schweigen ein Zeichen und legten zwei Kränze nieder.

„Widersprecht, wenn Schutzsuchende ausgewiesen werden“

Friedensfreunde halten Mahnwache am Poth ab und legen Kränze nieder. Kritik an Nationalismus und Waffenhandel

Iserlohn. An die „Wurzeln des deutschen Faschismus im Ersten Weltkrieg“ hat Pfarrer Gottfried Abrath von der Erlösergemeinde im Vorfeld des 28. Friedensfests an der Bauernkirche erinnert. Ein paar Dutzend Iserlohner lauschten seinen Worten und beteiligten sich an der Mahnwache, bei der zwei Blumenkränze am Mahnmal für die Opfer des Faschismus am Poth niedergelegt wurden.
„Mit unserem Schweigen setzen wir ein Zeichen gegen die Verfolgung von Minderheiten, gegen Nationalismus und Krieg“, erklärte Abrath und verglich die Geisteshaltung des „Kriegsverbrechers“ Paul von Hindenburg mit heutigen Angriffen auf die Demokratie, die europäische Idee und Hetze gegen Flüchtlinge. Er empfinde es als „geradezu schandhaft“ dass der frühere Generalfeldmarschall auch in Iserlohn noch durch einen Straßennamen „geehrt“ werde. „Wir müssen mit noch mehr Energie dafür eintreten, dass dumpfer Nationalismus entlarvt wird“, betonte der Pfarrer.
Detlev Paul vom Friedensplenum richtete anschließend den Appell an seine Zuhörer, „menschenverachtenden Parolen“ mutig entgegenzutreten und zu widersprechen, wenn Flüchtlinge ausgewiesen oder „deutsche Soldaten im Ausland wirtschaftliche Interessen sichern“ sollten. Das Friedensfest wird heute um 17.45 Uhr eröffnet.


Iserlohner Kreisanzeiger, 03.07.2018

Der Top-Act am Samstagabend: "April Art" aus Gießen versprechen "kickenden Crossover".
Die Band "Fréros" aus Oldenburg tritt am frühen Sonntagabend auf.

Bunte Mischung auf der Bühne

Beim Friedensfestival treten wieder internationale und lokale Bands auf

Iserlohn. „We still have a dream“ – mit diesem Motto erinnert das diesjährige Friedensfestival an den vor 50 Jahren ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King und setzt damit ein klares Zeichen gegen Rechtspopulismus. Obendrein wird es vom Freitag, 6. Juli, bis Sonntag, 8. Juli, ein breit gefächertes Angebot an Infoständen, Leckereien sowie ein kunterbuntes Kinderprogramm geben. Der Eintritt ist wie immer frei und der Gewinn aus den Essens- und Getränkeverkäufen kommt sozialen Projekten zugute.

Musik aus Argentinien und Kolumbien

In der 28. Auflage des Festivals auf dem neu gestalteten Platz der Kultur(en) an der Bauernkirche erwartet die Besucher damit wieder eine spannende Mischung aus Kultur und Politik. Das bunt gemischte Musikprogramm – bestehend aus 13 regionalen, überregionalen und internationalen Bands – kann sich sehen lassen. Am Freitagabend werden „Triddana“ als Headliner die Bühne stürmen. Die vier Musiker aus Argentinien spielen eine Mischung aus Metal und keltischer Volksmusik und kreieren so einen harten, aber dennoch melodiösen Sound.
„April Art“ überzeugen am Samstag mit ihrer energiegeladenen Performance. Dass die Band aus Gießen ein großes Publikum bewegen kann, bewies sie nicht zuletzt als Gewinner des Deutschen Rock & Pop Preises 2016. Den Abschluss des Festivals zelebrieren am Sonntag „Doctor Krápula“ aus Kolumbien, die mit einer tanzbaren Mischung aus Rock und Ska in ihrer Heimat ganze Stadien füllen.
Mit „Brand! Satz!“, „The Grabøwskis“, „Leichenwetter“, „Bisquit“, „Pils und Kippe“ und den „Kilkenny Bastards“ sind auch wieder einige Bands aus Iserlohn und Umgebung dabei.
Am Vorabend des Friedensfestivals, am Donnerstag, 5. Juli, lädt das Friedensplenum um 18 Uhr zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus am Mahnmal am Poth ein. Weitere Informationen zu Festivals gibt es unter der Internetadresse www.friedensfestival.de.


Iserlohner Kreisanzeiger, 29.06.2018

Gedenkveranstaltung vor dem Friedensfest

Iserlohn. Das Iserlohner Friedensfestival des Friedensplenums jährt sich bald zum 28. Mal. Auch diesmal findet am Vorabend des Festivals eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus statt. „Da die Machtübernahme Hitlers untrennbar mit der nicht erfolgten Aufarbeitung des 1. Weltkrieges verbunden ist“, so heißt es in der Einladung, werde sich Pfarrer Dr. Gottfried Abrath in seiner Rede mit dem Kriegsjahr 1918 befassen. Das Friedensplenum lädt alle Bürger ein, sich am Donnerstag, 5. Juli, um 18 Uhr am Mahnmal am Poth einzufinden.


Iserlohner Kreisanzeiger, 27.06.2018

Radiobeitrag zum Friedensfestival

Iserlohn. Einen Ausblick auf das Friedensfestival vom 6. bis 8. Juli auf dem Fritz-Kühn-Platz an der Bauernkirche bietet ein Beitrag von „Radio Iserlohn“ am Mittwoch, 27. Juni, ab 21.04 Uhr auf der Frequenz von Radio MK und im Radioplayer auf www.radio-iserlohn.de. Ein Rückblick auf die Veranstaltung im vergangenen Jahr sowie ein Abriss der Geschichte ist ebenfalls Teil der Sendung, die auch mit Festivalmusik aufwartet. Im Rahmen des Rückblicks kommt Redakteur Thomas Brenck zu Wort, ebenso gibt es Interviews mit den Aktiven Detlev Paul, Sabrina Kögler und Klaus Gith aus dem November 2017.


Iserlohner Kreisanzeiger, 28.05.2018

„We still have a dream“: Unter diesem Motto steht die 28. Auflage des Friedensfestes, dessen Programm das "FriedensPlenum" am Wochenende vorgestellt hat. Foto: Tim Gelewski

Ein lautstarkes Signal für eine bessere Welt

Das Programm für das mittlerweile 28. Friedensfest steht – trotz aller Widrigkeiten

Tim Gelewski

Iserlohn. An der Litfaßsäule vor dem Jugendzentrum am Karnacksweg prangt noch das Plakat von 2016, höchste Zeit also für frischen Wind – und Details zum mittlerweile 28. Friedensfest, das vom 6. bis 8. Juli wieder vor der Bauernkirche stattfinden wird. Das „Friedensplenum“ hat als Veranstalter jetzt das Programm bekanntgegeben. Das Motto diesmal: „We still have a dream“ – frei nach Martin Luther King, dessen Ermordung sich kürzlich zum 50. Mal gejährt hat. „Martin Luther King hat für mehr als die Gleichberechtigung der Schwarzen gekämpft, sondern auch gegen Krieg und soziale Ungerechtigkeit“, erklärt Organisator Jörg Jung vom „Friedensplenum“ die Wahl des aktuellen Mottos. „Damit passt er zu dem, wofür wir stehen.“

Neue Wegeführung des Platzes bereitet Probleme

Umsonst und draußen, dazu Essen und Getränke zu moderaten Preisen – das „Plenum“ bleibt dem bewährten Konzept treu, auch wenn die Umgestaltung des Fritz-Kühn-Platzes, das „Plenum“ spricht aufgrund der NS-Verwicklungen des Namensgebers vom „Platz der Kulturen“, das Ausrichten der Open-Air-Veranstaltung erschwert.
„Wir sind sehr unglücklich mit der Platzgestaltung“, sagt Jörg Jung. Denn: Die Wegeführung sei so verändert worden, dass Stände entlang der Wege fehl postiert wären, etwa mit der Rückseite zur Bühne. Und so wird die Wegführung beim Festival über die Wiese führen. Bei Regen droht der Besuch so zur schlammigen Angelegenheit zu werden.
Ungeachtet dessen aber wird das 28. Friedensfest wieder zahlreiche musikalische Höhepunkte liefern. Alle Musiker treten wie immer ohne Gage auf, der Erlös fließt in die Flüchtlingsarbeit und soziale Projekte. Zuständig für das Buchen der lokalen und internationalen Bands ist Felix Fricke. Das Festival beschließen wird am Sonntag, 8. Juli, „Doctor Krápula“, eine Rockband, die in ihrer Heimat Kolumbien Stadien füllt. „Und hier ihren Tourauftakt hat und das einzige Mal umsonst in Deutschland spielt“, freuen sich Fricke und seine Mitstreiter.
Nach dem Pressegespräch fand noch eine Party im Jugendzentrum für die Helfer und Interessierte statt. Auch beim „Plenum“ bedarf es neuer ehrenamtlicher Mitstreiter und einer Verjüngung. „Ich selbst war beim ersten Fest 25 Jahre alt, heute bin ich 52“, sagt Jung. Auch das Publikum sei mitgealtert: „Es gibt mittlerweile Leute, die in den 90ern hier waren, die jetzt mit dem Rollator kommen“, erzählt er.
In den kommenden Tagen sollen die 3000 Hefte mit Programm und Hintergründen zum Festival verteilt werden. Geboten wird außerdem wieder ein Kinderprogramm, am Sonntag kommt ab 15.30 Uhr die Zirkusschule Petit. Das „Friedensplenum“ will außerdem Unterschriften für die Umbenennung des Fritz-Kühn-Platzes in „Platz der Kulturen“ sammeln.