Pressespiegel 2021

Iserlohner Kreisanzeiger, 03.07.2021

Großer Aufholbedarf beim Umgang mit der NS-Zeit

Detlev Paul sprach bei der Gedenkveranstaltung des Friedenplenums am Poth über das Schicksal der Zwangsarbeiter in Iserlohn

Detlev Paul sprach am Mahnmal am Poth über die Zwangsarbeiter in Iserlohn in der NS-Diktatur. Foto: Dennis Echtermann
Iserlohn „Hier ruhen russische Bürger / gestorben in den schweren Zeiten von 1943 bis 1945“ – mit dieser Inschrift auf einem Gedenkstein auf dem Hauptfriedhof erinnert die Stadt Iserlohn an die Zwangsarbeiter, die im Dritten Reich nach Iserlohn verschleppt worden und hier ums Leben gekommen sind. In den Augen von Detlev Paul, der am Donnerstagabend bei der traditionellen Gedenkveranstaltung am Vorabend des (nicht stattfindenden) Friedensfestes am Mahnmal am Poth gesprochen hat, eine deutlich verharmlosende Formulierung, die ihn und das Friedensplenum zu dem Schluss bringt, dass Iserlohn im Umgang mit der NS-Zeit nach wie vor großen Aufholbedarf habe.

Jedes Jahr widmet sich das Plenum bei seiner Gedenkveranstaltung einer anderen Gruppe, die der Nazi-Barbarei in Iserlohn zum Opfer gefallen ist – in diesem Jahr den Zwangsarbeitern. In Iserlohn habe es drei Lager gegeben, führte Paul aus: in der Ziegelei am Seilersee, bei den Nickelwerken an der Baarstraße und am Krug zu Nidda an der Westfalenstraße. Mindestens 3000 Arbeiterinnen und Arbeiter seien hier festgehalten und zur Arbeit in mehr als 200 Betrieben gezwungen worden. „Auch bei Bauarbeiten der Reichsbahn und im Steinbruch mussten Zwangsarbeiter in Iserlohn schuften“, so Paul. Und auch für die Stadt selbst, in der Friedhofsverwaltung, im Altenheim, im Schlachthof oder bei den Stadtwerken seien rund 250 Zwangsarbeiter im Einsatz gewesen.

Erst zwischen 1999 und 2001 fand eine Aufarbeitung des Unrechts statt. Damals ging es auch darum, welche Unternehmen sich an einem Entschädigungsfond beteiligen. Erst nach einigen Ausflüchten und massiver Kritik, an der sich auch das Friedensplenum beteiligt hatte, erklärten sich noch viele Betriebe und die Stadt bereit, in den Fond einzuzahlen. rat


Iserlohner Kreisanzeiger, 29.06.2021

Friedensplenum lädt zum Gedenken ein

Iserlohn Trotz der coronabedingten Absage des diesjährigen Friedensfestivals lädt das Friedens-Plenum am Vorabend des Festival-Termins zu seiner Gedenkveranstaltung am Donnerstag, 1. Juli, um 18 Uhr am Mahnmal am Poth ein. Das Thema lautet „Das Schicksal der Zwangsarbeiter in Iserlohn während der NS-Diktatur“. Wegen der notwendigen Registrierung der Teilnehmenden wird darum gebeten, schon 15 Minuten vorher zum Veranstaltungsort zu kommen.